Lebensstilmedizin & Stressmanagement
Bei aller Selbstoptimierung und Perfektionsdruck. Was, wenn die beste Intervention erstmal nichts tun ist? Ein Leben im Dauerstress ist nicht mit unserer Gesundheit vereinbar.
Es gibt, glaube ich, keinen Bereich, in dem ich in den letzten zwei bis drei Jahren mehr gelernt habe als im Bereich Stress und die Rolle, die ein nicht endender Stress für uns Menschen spielt. Hier lohnt es sich einmal kurz in der Evolution zurück zu gehen. Was waren Dinge, die unsere Stressantwort getriggert haben, als der Bauplan Mensch entworfen wurde? Kälte, Hitze, Flucht, Hunger, Durst, Raubtiere, Bakterien, Viren. Alle jene Dinge haben gemeinsam, dass sie entweder aufgehört haben oder wir gestorben sind. Zu lange Hunger war nicht mit dem Leben vereinbar. Wenn der Tiger dich erwischt hat, höchstwahrscheinlich auch nicht.
In unserer heutigen Welt haben sich diese Stressoren aber drastisch verändert. Ein halbleeres Konto, Stress mit dem Chef, Angst um die Beziehung, ständige Erreichbarkeit und Angst vor dem E-Mail-Postfach. Wir können uns ziemlich sicher darauf einigen, dass uns diese Stressoren nicht sofort umbringen. Aber sie haben ebenfalls kein Ende.
Die Stressantwort, für die wir entworfen wurden, ist höchst sinnvoll für die Arten von Stress, für die es entworfen wurde. Alle Energie sammeln, um vor dem Tiger wegzulaufen und dann wieder erholen. Nicht regenerieren währenddessen, nicht auf Toilette gehen oder Verdauungssäfte produzieren. Auch nicht alle Energie ans Immunsystem weiterleiten. Weil wenn ich gerade sterbe, brauche ich das Bakterium auch nicht mehr zu bekämpfen.
Ohne hier zu weit einzutauchen an dieser Stelle, hat Dauerstress eine Auswirkung auf alle körperlichen, seelischen und psychischen Systeme. Es kann als der Chef und Ursache der Ursache der Ursache angesehen werden, bestimmt die Kapazität, die wir haben Veränderungen vorzunehmen, gesunde Beziehungen zu erleben und Freude zu empfinden.
Mit einem konstant aktivierten Stresssystem können wir so viel Diagnostik, Nahrungsergänzung einnehmen, wie wir wollen. Es wird nicht den gewünschten Effekt erzielen. Auch kann in einer solchen Situation eine Ernährungsumstellung oder eine “Achtsamkeitspflicht” und sämtlich gut gemeinter Rat zu mehr Entspannung zusätzlichen Stress auslösen.
Hier geht es darum ein Mindset zu entwickeln, welches Absichtslosigkeit erlaubt und fördert, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.
“Lieber glücklich zu McDonalds, als mit Angst in den Bioladen”
Fritjof Nelting